Die Aquarellzeichnungen von Ignacio García Sánchez sind dicht bestückt mit kleinsten Einzelheiten. Sie erwecken den Eindruck, als berichteten sie über historisch belegte Ereignisse.

Archivierte Dokumente erkennt man unter Anderem am vergilbten Papier und den ausgeblichenen Farben. Auch die Genauigkeit der bis ins letzte Detail ausformulierten Schilderung verleiht den Darstellungen einen dokumentarischen Anschein. Andere Merkmale der Bilder stimmen mit diesen Kriterien allerdings nicht überein. Weder lassen sich die Einzelszenen zu einer plausiblen Erzählung zusammen bringen noch ist ein Hauptgeschehen oder Bildzentrum auszumachen. Vielmehr ist der Bildraum gekennzeichnet von einer unübersichtlichen Aufzählung vereinzelter Nebenschauplätze und verstreuter Requisiten. Die abgebildeten Handlungen mögen in sich logisch sein, für das Gesamtbild ergeben sie keinen Sinn. Figuren ohne Gesicht räumen auf, denken nach, sie tragen einheitliche Arbeitskleidung oder militärische Uniformen. Handelt es sich um Aufräumarbeiten nach einer Katastrophe oder um ein verwüstetes Bühnenbild? Womit genau sind die Gestalten so konzentriert beschäftigt? Wonach suchen sie? Worauf wartet der Philosoph? Explosionen, Katastrophen oder der unspektakuläre Verfall der Bauwerke werden zum Schauplatz für die Plünderung von Archiven und Ordnungssystemen. Unklar bleiben Absicht und Herkunft der Protagonisten. In den Überresten der verfallenen Kulturen findet der Künstler das geeignete Motiv für die offene Erzählform in einem aufgebrochenen räumlichen Gefüge. Wie seine Figuren wildert er in den Strukturen tradierter Bildauffassung und Geschichtsschreibung.

 

 

 

 

 

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